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Claudia Helbling
Diplomarbeit |
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Einfluss des Hundehalters
auf den Hund
beim Tierarztbesuch
Abschlussarbeit von Claudia Helbling, Eichhaldenstrasse 43, 8492 Wila im Zusammenhang mit der Ausbildung in Heimtier-Ethologie / TierPsychologie und Verhaltenstherapie durch Dr. Dennis C. Turner, I.E.T., Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie, Hirzel Eingereicht am 14. März 1996
1 Einführung:Diese Arbeit ging der Frage nach: „Wie stark beeinflusst ein Hundehalter seinen Hund in einer ungewöhnlichen, potentiell aufregenden Situation, wie dem Tierarztbesuch?“. Wie verhält sich der Hund, wenn der Besitzer unruhig, nervös und ängstlich ist ? Wie verhält sich der Hund, wenn der Besitzer gelassen ist ? Es ist bekannt, dass ein Hundebesitzer in seinem Verhalten Einfluss auf seinen Hund nimmt. Wie stark er seine eigene Angst oder Gelassenheit auf seinen Hund überträgt soll diese Arbeit aufzeigen. Zur Zeit dieser Arbeit ist nicht bekannt, dass es ein ähnliches Projekt oder Literatur darüber besteht.
2 Methoden:Die Beobachtungen fanden während eines Jahres in der gleichen Tierarztpraxis statt. Die Behandlungen wurden immer vom gleichen Tierarzt und der gleichen Tierarztgehilfin durchgeführt. Alle Hunde waren gesund und kamen nur zu Impfungen. Sie wurden nicht speziell ausgesucht. Die Hundebesitzer wurden vorgängig ihrer Zustimmung angefragt einen Fragebogen (siehe Anhang) auszufüllen. Danach wurden die Hunde (110) und ihre Besitzer beobachtet. Die Besitzer wurden nicht in Kenntnis gesetzt, dass ausser dem Ausfüllen des Fragebogens für sie der Test weitergehen würde. So kam eine unvoreingenommene Beobachtung zustande. Beobachtet wurde das Verhalten im Wartezimmer, in der Praxis, während der Behandlung und auch beim Verlassen der Praxis. Nach der Behandlung, im Wartezimmer, wurden die Hundebesitzer über die Beobachtungen informiert und es wurde der Fragebogen abgegeben. Der Fragebogen beinhaltet Angaben über den Hund, den Besitzer und das vom Besitzer beobachtete Verhalten des Hundes in seiner gewohnten Umgebung und auf dem Weg zum Tierarzt.
Der Besitzer und sein Hund wurden von der Beobachterin nicht bewusst beeinflusst. Das heisst: ¨ Der Besitzer wurde während den Beobachtungen nicht angesprochen ¨ Der Hund wurde von der Beobachterin weder angesprochen, gestreichelt noch gefüttert ¨ Die Beobachterin nahm an der Behandlung nicht teil
3 Ergebnisse:Diese Arbeit wurde in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beinhaltet Daten über den Hund und den Besitzer. Die Angaben wurden alle dem Fragebogen für den Besitzer entnommen. Dieser Fragebogen enthält Daten über das Wesen des Hundes und die Erfahrungen des Besitzers mit seinem Vierbeiner. Im zweiten Teil sind die Beobachtungen in der Tierpraxis anhand des Beobachtungsbogens (siehe Anhang) ausgewertet worden. Dieser ist gegliedert in Beobachtungen des Verhaltens von Hund und Meister im Wartezimmer. Anschliessend wurden Beobachtungen im Sprechzimmer, vor und während der Behandlung, beim Verlassen des Behandlungstisches und nach der Behandlung festgehalten. Zuletzt wurde auch das Verhalten von Hund und Besitzer im Wartezimmer und beim Verlassen der Praxis notiert. Die Darstellungen basieren auf relativen Prozentwerten. Von den insgesamt 110 Besitzern waren 14 „ängstlich, nervös, unruhig“ und 96 „gelassen“. Um eine aussagekräftige Gegenüberstellung zu erreichen, wurden für die Bewertung beide Beurteilungsgruppen als 100% angenommen.
4 Diskussion:Die Prozentzahlen zeigen deutlich, wie sich Angst, Unsicherheit und Nervosität des Besitzers auf seinen Hund auswirken kann. Besitzer die selbst ängstlich und unsicher sind können ihren Hunden den Halt nicht geben, den sie in dieser ungewohnten, potentiell aufregenden Situation brauchen. Die Hunde zeigen vermehrt Ängstlichkeit, Unsicherheit und Nervosität. Ganz extrem fällt die Aggressivität dieser Hunde auf. Im Gegensatz dazu ist es interessant zu beobachten, dass beim „gelassenen“ Besitzer drei mal soviele Hunde „freudig“ zum Tierarzt kommen, wie beim „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzer. Im Detail zeigt sich dies wie folgt: Auswertung der Beobachtungen Folgende Prozentwerte beziehen sich entweder auf die 14 „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzer mit ihren Hunden oder der Gruppe der 96 „gelassenen“ Besitzer mit ihren Vierbeinern. Im Wartezimmer sind 79% der Hunde von „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern auch „ängstlich, nervös, unruhig“. Bei den „gelassenen“ Besitzern sind es jedoch nur 44 %. Ein aggressives Verhalten der Hunde von „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern zeigt sich bei 14% ! Bei „gelassenen“ Besitzern reagieren nur 1% der Hunde aggressiv ! Im Wartezimmer sind 45% der Hunde von „gelassenen“ Besitzern „freudig“, dagegen sind nur 14% der Hunde von „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern „freudig“ beim Tierarzt. 93% der Besitzer die „ängstlich, nervös, unruhig“ sind, sprechen vermehrt mit ihren Hunden. Sie versuchen ihre Hunde zu beruhigen, geben Befehle wie „Sitz“ oder „Platz“ und vielmals bekommen die Hunde auch Gutzi. Bei den „gelassenen“ Besitzern sprechen 66% vermehrt mit ihren Hunden. Im Sprechzimmer vor der Behandlung ist das Verhalten von Hund und Meister in etwa gleich wie im Wartezimmer. Während der Behandlung stehen alle (100%) der „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzer am Behandlungstisch. Davon halten 64% ihre Hunde selbst. Beinahe alle (92%) der „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzer gehen vermehrt auf ihre Hunde ein. Sie sprechen intensiv mit ihnen. Durch dieses Verhalten des Besitzers überträgt sich seine eigene Angst und Unsicherheit auf den Hund. Wenn während der Behandlung Zwang auf den Hund ausgeübt werden muss, reagieren alle (100%) der „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzer mit Unsicherheit. Bei den „gelassenen“ Besitzern sind 33% unsicher. Die Reaktionen der Hunde sprechen für sich: Bei den „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern sind 71% der Hunde ängstlich und 21% reagieren aggressiv; bei den „gelassenen“ Besitzern haben 45% der Hunde Angst und 11% reagieren aggressiv. Beim Loslassen beruhigen sich die meisten Hunde. Aus dem Diagramm ist zu ersehen, dass bei den „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern nur gerade 47% der Hunde freundlich reagieren. Bei den „gelassenen“ Besitzern zeigen 73% der Hunde Freude am Tierarzt, trotz Zwangsausübung und Impfung. Beim Verlassen des Behandlungstisches ist das Verhalten von Hund und Meister mit kleinen Abweichungen gleich, wie im Wartezimmer oder vor der Behandlung. Am Boden nach der Behandlung gehen 64% der Hunde von „ängstlichen, nervösen, unruhigen“ Besitzern zu ihrem Meister. Sie suchen Schutz und Unterstützung. Bei den „gelassenen“ Besitzern gehen 40% der Hunde zum „Herrchen“ oder „Frauchen“. 39% der Hunde von „gelassenen“ Besitzern gehen zum Tierarzt oder zur Gehilfin. Sie wollen Gutzi oder Streicheleinheiten. Bei den "ängstlichen, nervösen, unruhigen" Besitzern gehen nur 14% zum Praxispersonal. Danach im Wartezimmer wollen alle Hunde (100%) von den "ängstlichen, nervösen, unruhigen" Besitzern gehen, 86% sogar fluchtartig. Bei den „gelassenen“ Besitzern wollen 82% gehen, die Hälfte davon so schnell als möglich. 18% der Hunde von „gelassenen“ Besitzern wollen sogar bleiben, von den „ängstlichen“ jedoch keiner. Für diese 18% war der Tierarztbesuch offenbar kein negatives Ereignis. Wenn man die Graphik tiefer betrachtet, sieht man noch viele weitere Punkte, die beweisen oder Annahmen untermauern, dass der Besitzer seinen Hund stark beeinflussen kann. Bei der Ausarbeitung dieser Arbeit habe ich mich auf die wesentlichsten, beziehungsweise auf die deutlichsten, Aussagen beschränkt, da sonst meine Ausführungen unübersichtlich geworden wären.
Auswertung des Fragebogens an den Besitzer Ob es der erste Hund oder ein Folgehund ist, ist nicht von Bedeutung. Was jedoch auffällt, Besitzer mit Welpen (bis 12 Monate) sind alle „gelassen“. Haben sie und ihr Hund noch keine schlechten Erfahrungen beim Tierazt oder sonstwo gemacht ? Zwischen dem 1. und 3. Lebensjahr des Hundes sind schon die Hälfte der Besitzer unruhig. Ab 3 Jahren des Hundes schlägt es ins Gegenteil um. 69% der „gelassenen“ Besitzer reagieren noch „gelassen“. Bei den „ängstlich, nervös, unruhigen" Besitzern reagieren 93% „ängstlich, nervös, unruhig", wenn ihre Hunde über 3 Jahre alt sind. Das Geschlecht der Hunde, ob reinrassig oder Mischling, aus Tierheim oder Zucht, ist nicht relevant. Das Wesen der Hunde von „ängstlichen, nervösen, unruhigen" und den „gelassenen“ Besitzern gegenüber anderen Hunden, Frauen, Männern ist schwer zu beurteilen. Die Frage stellt sich, ob die Besitzer ihre Hunde im Verhalten richtig einschätzen können. Für diese Arbeit wurden diese Daten nicht verwendet. Angst vor Spritzen wurde von 36% der „ängstlichen, nervösen, unruhigen" Besitzer angegeben, bei den „gelassenen“ Besitzern waren es 16%.
Probleme
während der Arbeit Die Besitzer durften während des Tierarztbesuches nicht merken, dass sie und ihr Hund beobachtet wurden. Dies bereitete einige Mühe und konnte nicht immer ausgeschlossen werden. Es war schwer bei der Fülle der Daten und Eindrücke bei den Beobachtungen, auch anschliessend bei den Auswertungen, die Übersicht zu behalten und sich auf die wesentlichen und aussagekräftigen Werte zu beschränken. 5 Zusammenfassung:Diese Abschlussarbeit ging der Frage nach, wie stark der Hundebesitzer seinen Hund beeinflusst. 110 Hunde mit ihren Besitzern wurden innerhalb eines Jahres in der gleichen Tierarztpraxis beobachtet. Die Hunde waren gesund und wurden nur geimpft. An Hand der Beobachtungen und Informationen aus dem Fragebogen, wurde gezeigt, dass der Hundebesitzer seinen Hund in solchen Situationen (Tierarztbesuch) sehr stark positiv oder negativ beeinflussen kann.
Anmerkung: Die Beobachtungen wurden in der Praxis von Dr. med. vet. R.Kunzmann in Wallisellen durchgeführt. |